exakte Medizin

Die Anfänge des Wissens, dass Krankheit sich grundsätzlich als eine abstrakte, nicht streng lokale Information betrachten lässt

Meine erste Erfahrung, dass Krankheit grundsätzlich eine Information sein dürfte, machte ich 1982.
Ich besuchte regelmäßig eine alte Bäuerin und spritzte ihr – damals als chemischer Arzt – Cortison in beide Knie. Danach konnte sie wenigstens einigermaßen in ihrer Wohnung humpeln. Das wiederholte sich alle 14 Tage.

Eines Tages kam ich wieder zu ihr gefahren und traf sie auf der Straße an! Dabei hatte sie zuvor niemals die steile Treppe heruntergehen können! Ich staunte nicht schlecht und fragte sie, ob das Cortison diesmal viel besser gewirkt habe. Sie lachte nur verschmitzt, ich solle doch die Treppe mit hochkommen.
Oben angekommen, packte sie ihre dick verbundenen Knie aus –und ich sah den schlimmsten Ausschlag, den ich je gesehen hatte: Riesige Blasen umgeben von roten Entzündungen. Spontan entfuhr mir: Was haben Sie denn gemacht?

Sie war in der benachbarten Schweiz gewesen und hatte sich Pilstl-Salbe besorgt, wie die Salbe damals hieß, die von der Spanischen Fliege an alles enthielt, was die Haut reizen kann. Das Ekzem war die gewünschte Folge!

Das Erstaunliche: Solange diese Wirkung anhielt und die Haut so „schlimm“ reagierte, konnte meine Patientin deutlich besser laufen. Als aber die Haut wieder heilte, wurde die Gehfähigkeit wieder drastisch schlechter, die Knie schmerzten wieder so, dass an ein Verlassen der Wohnung nicht mehr zu denken war.

Die Krankheitsinformation wurde in die Haut gelenkt, in der Haut gelebt und nicht mehr im Knie. Erst später erfuhr ich, dass Krankheit tatsächlich eine bleibende Information ausdrückt, die nicht an eine Stelle gebunden ist, nicht streng lokalisiert ist.

Den Kenner mag das an alte Mythen erinnern, wie die Heilung der zwei Geisteskranken durch Jesus, in dem er ihre bösen Geister in Schweine wegschickte und die Schweine sich im See ertränkten. In unserem Begriff des Herumgeisterns ist dieses Denken noch erkennbar. Nur ertränkte sich das Ekzem bei meiner Patientin nicht, sondern kehrte der Knieschmerz in alter Frische wieder zurück.

Was sich anhört wie ein Märchen, war ein erster Hinweis auf die Realität, die Heisenberg so beschrieb: Bleibend ist nur die Mathematische Form (Information), nicht die Substanz!

Das Denken in abstrakten Prozessstrukturen, Impulsen (oder mit unserem Fachbegriff „Inter-essen“, siehe „Die Logik der Ganzheit“) befruchtet die Medizin ungemein.

Eine Patientin, die sich ans Bett gefesselt fühlt, über Aussetzer des Herzens berichtet und eine bakterielle Angina tonsillaris hat, bei der sie rein gar nichts schlucken kann, lässt sich ohne dieses Denken nicht verstehen.

Mit diesem quantenlogischen Verständnis aber sieht man die Information in allen 3 Beschwerden und deren Gemeinsamkeit:
Das fesselnde Bett stoppt die Fortbewegung.
Die Aussetzer stoppen den Gang des Herzens, wenn auch nur kurzfristig.
Die Angina stoppt den Schluckvorgang.
Das allen Gemeinsame ist der Stopp eines Prozesses.

Dies ist dem Patienten oft nicht bewusst. So deckte eine quantenlogische Diagnose auf, dass alle Symptome eines Patienten aus einer Enge herausspringen. Als ich ihm dies darlege, wehrt er ab: Er habe mit Enge gar kein Thema. Um im übernächsten Satz zu berichten, dass sein Büro mental ungeheuer eng sei und er es immer gar macht erwarten könne, dem im Urlaub zu entfliehen. Die Mathematische Form ist eben nicht etwas primär Psychisches, sie ist abstrakt und offenkundig exakt physikalisch wirksam.

Und das Fantastische und die Bestätigung dieses Denkens ist die Realität, dass eine Arznei, die abstrakt diesen Stopp eines Prozesses unserer obigen Patientin anspricht, alle 3 Beschwerden heilt. DAS erst ist die Quintessenz, das erst macht aus einem Theorem eine anwendbare Technik.

Eine wirkliche Heilung muss diese Tendenz, diesen Impuls zu oder Interesse an einem Prozessstop ansprechen, sonst schiebt sie diese nur oberflächlich, verdrängt die Verwirklichung dieser Information, ohne an die Information selbst heranzukommen.

Gute Zeit!
Walter Köster