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Das Meer und die Welle

Mmmh, sagte die Welle zum Meer:
Warum bist du so bleibend – und bin ich so vergänglich?
Du lebst schon so unglaublich lang, ich aber lebe nur Sekunden!

Daraufhin lachte das Meer und sagte –
nein, es lachte und sagte nicht, denn das konnte es nicht,
es ließ die Welle vielmehr wissen:

Du bist Dynamik und Bewegung,
du kannst springen und dich überschlagen,
du kannst zornig Gischt versprühen
und dich klatschend kaputtlachen.

Ich dagegen bin das, was ich bin,
bleibend und aus deiner Sicht ewig.

Freude und pulsierendes Leben kann ich nur durch dich erfahren,
dafür musst du dynamisch und veränderlich sein,
immer wieder neu – so ganz anders als ich!

Und Menschen fahren ans Meer, zu mir,
aber eigentlich suchen sie dich, deine Bewegungslust.
Wie langweilig und tot wäre ich ohne dich.

Und wenn du einmal nicht mehr springst,
bist du endlich wie ich, bleibend und wie ewig.

Andere Wellen werden dann dein Lebenslied singen –
oder bist es du nur mit anderem Namen?
Ich als das Bleibende werde von deinem Bleibenden wissen –

du aber wirst in deiner Dynamik das Jetzt (er-) finden
und dich gar nicht um Gestern und Morgen und das Bleiben kümmern.

Das tue ich als das Meer dafür –
und freue mich an deiner Lebenslust.

Ohne sie wäre ich zeit-los leer und ohne Leben,
und mit mir gewinnst du dafür die Geborgenheit im Bleibenden.

An einen älteren Freund. Im Sommer 2018
Walter Köster