exakte Medizin

Homöopathie ein Placebo?

Sollte man der Chemischen Medizin wegen extremer Zunahme chronisch Kranker die Kassenzulassung entziehen?


Ich erhielt folgende Zuschrift:

Sehr geehrter Herr Prof. Köster,

einschlägige wissenschaftliche Artikel belegen nachweislich, dass Homöopathie nicht besser als ein Placebo wirkt. Wie gehen Sie mit diesen Erkenntnissen um? Welche Veränderungen ergeben sich für Sie aus diesen Erkenntnissen? MfG …


Meine Antwort:

Sehr geehrter Herr …,

danke für Ihre Nachfrage. Diese Kulmination mag den Fachfremden beunruhigen. Mich belastet es nicht. Die „Weltgeschichte der Homöopathie“ von Prof. Martin Dinges (Robert Bosch Stiftung) zeigt auf, dass es immer eher einzelne Kollegen waren, welche die Methode offenkundig verstanden und erfolgreich anwandten. Mit Ihnen stieg die Akzeptanz der Methode und verschwand sie auch wieder, was nur verständlich ist. Bis sie wieder jemand beherrschte …

So beinhaltet Ihre Darlegung keine neue Erkenntnis. Sie war schon vor 25 Jahren bekannt. Warum aber haben denn die Kassen dennoch die Homöopathie übernommen? Waren und sind sie auch Placebo-blind? Wofür und wieso? Gab es vielleicht kasseninterne und nicht veröffentlichte Studien, dass homöopathisch behandelte Patienten für die Kassen günstiger waren? Das sei nur mal so dahingestellt. Ohne Grund übernimmt keine Kasse ein Verfahren.

Und immer wieder gab es doch widersprechende Studien zugunsten der Homöopathie wie die aus der High Dilution – Forschung von Jaques Benveniste, den ich kannte. Er wurde nach seinem Bericht sehr persönlich angegriffen, obwohl die renommierte Fachzeitschrift Nature seine Arbeit angenommen hatte.

Solch ein Vorgehen ist üblich in der Wissenschaftsgeschichte, lesen Sie dazu das Basiswerk „Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“ des Physikers und Historikers Thomas S. Kuhn. Man wehrt sich seit Jahrtausenden gegen Störenfriede mit allen Mitteln. Das ist nur natürlich, die sogenannte normale Wissenschaft ist ein wichtiger und wertvoller Erkenntnisweg, den man nicht leichtfertig gefährdet.

Aber ist „die Homöopathie“ ein Störenfried? Gibt es denn „die Homöopathie“ überhaupt? Wer oder was ist sie? Eine Sekte? Eine normale Wissenschaft? Überhaupt eine Wissenschaft? All das ist sie sicher nicht. Ihr Entdecker stellte Erfahrungssätze zusammen, nun folgt man ihm mehr oder weniger oder auch sehr wenig. Die Vereinfachung der Methode in den letzten Jahren hat nicht zu ihrer Effizienz beigetragen, wenn man zum Beispiel allgemeine Heuschnupfenmittel anpries statt exakt „angepasste“.

Während Hahnemann selbst 6 Auflagen seines Grundwerks mit immer weiter überarbeitetem Inhalt herausbrachte, wurde das Ganze mit seinem Tod als unantastbar wie in einem Mausoleum mumifiziert und oft nicht verstanden.

War doch sein Werk keineswegs eine durch und durch systematische Arbeit wie die von Newton oder Descartes. Es waren schlicht Beobachtungen eines Arztes. Mehr nicht. Und nicht weniger.

Warum aber gewann sie Hunderttausende von Anhängern? Sind das alles Placebo gläubige Dummköpfe? Ich selbst galt im öffentlichen Leben Deutschlands als herausragender Vertreter der Homöopathie, leitete vor 20 Jahren die größten Kongresse und trat regelmäßig im Fernsehen für die Homöopathie ein. Und mir konnte man mit Sicherheit keine Placebo Gläubigkeit in die Schuhe schieben. Hatte ich doch von 1980 bis 88 eine der größten schulmedizinischen Praxen geleitet! Wie gern und mit welchem Erfolg! Warum sollte ich nun eine Lehre annehmen?

Ganz einfach. Ich hatte trotz der Erfolge auch die Grenzen der chemischen Medizin erfahren müssen, auch an einem meiner Kinder. Und auf der Suche nach wissenschaftlich aufbaubaren medizinischen Systemen stieß ich neben der Traditionellen Chinesischen Medizin auf die Homöopathie. Die Homöopathie Hahnemanns zeigte nämlich bei all ihrer statistischen Schwäche, ihren häufigen Misserfolgen einzelne Erfolge – überragend und durchgreifend, anhaltend. Denken Sie an meine Patientenvorstellung in der ARD, mit Krebs, Polymyalgie und Infarkt. Es waren enorme Erfolge. Ganz Deutschland diskutierte tatsächlich darüber, noch Jahre danach.
Die ARD hält diese Sendung heute unter Verschluss. Zufall?

Placebo? Sicher nein, diese Art ganzheitlichen Erfolge kannte ich sonst nicht, obwohl durchaus erfolgsgewohnt in der chemischen Medizin, und dies trotz der auch dort aufgewendeten immensen Mühe, reichlichen Zeit und Zuwendung. Das ging in den 80ern noch in der Kassenmedizin.

Damit sind wir beim dritten Teil Ihrer Frage, der persönlichen Konsequenz. Nein, jene Homöopathie mit den wenigen Extremerfolgen wollte und konnte ich nicht vertreten. Aber als Denkanstoß wollte ich sie und keineswegs in der Annahme, dass es sich um eine fertige, abgeschlossene Medizin handelte.

Klar war nur eines. Ihr Entdecker Hahnemann war auf die Anfänge einer ganz anderen Medizin gestoßen, die aber so, wie er sie bis zu seinem Tod erstellt hatte, viel zu viele Versager aufwies. Mein Ziel war herauszubekommen, worin der Unterschied und das Problem im Vorgehen zwischen den fantastischen Einzelerfolgen und der großen Zahl an Versagern lag!

Schon 1991 bemerkte ich Grundzüge in ihr, die auch Carl Gustav Jung erarbeitet hatte (Siehe mein Vortrag „Die heimliche Logik Hahnemanns“). In diesen Jahren, vor allem 1996, bestätigte mir mein Mentor, der Atomphysiker Carl Friedrich von Weizsäcker, dass es sich um quantenlogische Strukturen handelt. Diese mussten klassisch logisch denkenden Forschern (klassisch) un-logisch erscheinen! Bis heute ist Unlogik ein Vorwurf an die Homöopathie, den sie mit dieser meiner Entdeckung zurückgab. Kein Wunder, dass sie ohne ein quantenlogisches Verständnis nicht erkannt, anerkannt und vor allem endlich weiterentwickelt wurde zu einer wirklich erfolgreich heilenden Medizin.

Seitdem entwickle ich auf rein logischen, wissenschaftlichen Grundsätzen eine neue Medizin. Die Grundwerke wie „Die Logik der Ganzheit“ sind in Buchform erhältlich, mein neuestes Buch „Spuren im Fluss“ können Sie sich kostenlos von meiner Page herunterladen. Der schwierigste Teil, die quantenlogische Definition der Arzneien, wird dieses Jahr abgeschlossen. Es werden weiterhin homöopathische Arzneien angewandt, aber sie sind wissenschaftlich verstanden. Die Erfolge mit ihnen sind drastisch höher, und ich freue mich und meine Patienten freuen sich auch. Die jahrzehntelange Arbeit war erfolgreich und geht weiter.

Die „Homöopathie“ war eine wichtige Vorstufe, aber eben auch nur das – wie jeder Akt in der Wissenschaftsgeschichte. Diese in die Welt zu setzen, war ein mutiger Akt des Dr. Hahnemann. Er selbst war über ihre Anwendung in Deutschland so enttäuscht, dass er nach Paris entfloh. Auch darin war er sehr konsequent, obwohl es ihm nicht vergönnt war, ein wissenschaftliches System zu entwickeln. Dieses fehlte und fehlt deshalb seinen ihn mumifizierenden Anhängern. Da es jedoch einer ganz anderen Logik bedurft hätte, für die er offenkundig nicht geboren war, wäre es mit der Klassischen Logik nur zurechtgebogen worden. So sind seine Aussagen ohne System weniger verfälscht und begreifbarer.

Wir haben alle unsere Vorgänger und Nachfolger, und das ist gut so. In der Geschichte entwickelt sich die Medizin. Wer eine solche Neuentwicklung wie die Homöopathie nicht als Entwicklung begreift, versteht sie nicht, ob Homöopath oder dessen Gegner. Da liegt meines Erachtens die Wurzel des Übels. Weder die Gegner der Homöopathie noch ihre Vertreter nehmen sie aus meiner Sicht wirklich wissenschaftlich ernst. Die Homöopathen verstehen nicht, was für ein Gewinn Wissenschaft ist und halten sie für das Böse an sich wie früher die Päpste, und das heute. Und ihre Gegner schauen (noch) nicht auf quantenlogische Ansätze, obwohl noch Carl Friedrich von Weizsäcker und der Mediziner Schmahl sie im Deutschen Ärzteblatt ausdrücklich dazu aufgefordert haben.

Vielleicht bringt uns die derzeitige Auseinandersetzung da weiter? Wissenschaftliche Weiterentwicklung als geforderte Auflage statt Ausschlüssen wäre ein fruchtbarer Weg. Das gilt für jede Medizin. Wer wird denn beispielsweise einen Antrag auf Kassenentzug für die Chemische Medizin stellen, bloß weil sie nachweislich heute eine deutlich zunehmende (!) Zahl chronischer, also de facto unheilbarer Kranken hinterlässt (Studien der WHO)? Nein, auch sie ist in der Entwicklung. Und bedarf dort ebenfalls dringend der Weiterentwicklung. So geht Wissenschaft, in der Physik ist dieses Denken normal. Wünschen wir meinen Kollegen und mir eine gute Hand bei der Entwicklung ihrer jeweiligen Medizin hin zu mehr Heilungen.

Bedenken Sie auch: Ohne den heute extremen Druck in der Kassenmedizin kann die Quantum Logic Medicine ruhig und wissenschaftlich tiefgründig durchgeführt werden. Das ist kein Nachteil.

Mit freundlichem Gruß

Prof. Dr. med. Walter Köster